Fritzlarer Schüler drehten einen Film gegen Gewalt und Rassismus

Fritzlar. Zehn Tage lang stand in der Klasse 7eH der Anne-Frank-Schule in Fritzlar Film auf dem Stundenplan. Gemeinsam mit Klassenlehrerin Kirsten Roßkamp und drei Studenten der Universität Kassel machten sich die 13 Schüler Gedanken über das Thema „Gewalt und Rassismus – ohne uns“.
Filmprojekt 2012  Aufnahme
Kamera läuft: Die Klasse 7eH der Anne-Frank-Schule in Fritzlar hat einen Film gegen Rassismus produziert. Auf dem Bild von links Curtis Althaus, Jannik Bolte und Nick Borkmann an der Kamera sowie rechts Klassenlehrerin Kirsten Roßkamp. Fotos:  Eberlein
Aus ihren Ideen und Erfahrungen wurde dann ein Kurzfilm. Die ersten drei Tage waren für die Drehbucharbeit eingeplant. Dazu brachte jeder Schüler einen Teil des späteren Inhaltes zum Thema der verfilmten Geschichte ein. „Angst und Scham“ lautete das Thema, zu dem die Schüler die Figuren und die Handlung des Filmes selbst entwickelten.

 

Vor und hinter der Kamera

Bei der Umsetzung waren sie dann nicht nur Schauspieler, sondern standen auch selbst hinter der Kamera und am Mikrofon.
Der Film dreht sich um Fabrizio, der als neuer Schüler in eine Klasse kommt, in der ein Zwiespalt herrscht. Auf der einen Seite stehen deutsche Schüler, auf der anderen Seite Schüler mit ausländischem Hintergrund. Immer wieder geraten die beiden Gruppen in Streit.
Fabrizio, der von seinen deutschen Mitschülern sofort in deren Kreis gezogen wird, freundet sich mit Öznur, einem Mädchen des ausländischen Teils der Klasse an. Da ist Stress vorprogrammiert, denn niemand soll die Freundschaft bemerken.
Es kommt allerdings, wie es kommen muss: Das Ganze führt zu einer gewaltgeladen Situation, in der sich beide Schülergruppen gegenüber stehen.
Das Ergebnis der Anne-Frank-Schüler ist einer von zehn Filmen, die seit Mai 2012 in Kooperation mit Studenten der Medienwerkstatt der Universität Kassel gedreht wurden.
Gezielt hatte die Medienwerkstatt Schulen und Einrichtungen für das Projekt ausgewählt, an denen Gewalt und Rassismus ein Thema sein könnten könnten. Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre sollten die Möglichkeit bekommen, eigene Erfahrungen mitzuteilen und einzubringen. „Alle Teilnehmer haben das Projekt sehr gut angenommen“, bilanziert Projektkoordinatorin Katharina Huber. Gemeinsam mit Tatjana Koplack und Björn Sorger hat sie die Schüler in Fritzlar angeleitet.
Alle zehn Filme werden am 7. März 2013 öffentlich in der Homberger Stadthalle präsentiert, bevor das Projekt dann mit fünfzehn neuen Gruppen in die nächste Runde geht.
• Kontakt und Bewerbungen für 2013 per E-Mail: Kathy_Huber@gmx.de
Von Christl Eberlein
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Raimund Schesswendter am 20/12/2012 | Kategorie: Lokales, Nachrichten, Schwalm-Eder-Kreis
Quelle: http://heimat-nachrichten.de/2012/12/20/erfahrung-wird-film-jugendlichen-drehen-eignene-geschichten-gegen-gewalt/

Erfahrung wird Film – Jugendlichen drehen eignene Geschichten gegen Gewalt

Schwalm-Eder. Sei es Gewalt zuhause oder in der Schule, Ausgrenzung oder Vernachlässigung – die Themen, die die Jugendlichen der Anne-Frank-Schule Fritzlar und der türkisch-islamischen Gemeinde Borken ausarbeiten, haben es nicht nur in sich, sie basieren auf eigenen Erfahrungen. „Das gehört zum Kernkonzept,” erklärt Projektkoordinatorin Katharina Huber den Hintergrund des Filmprojektes „Gewalt und Rassismus – Ohne Uns” der Universität Kassel. Der  biographische Ansatz sei deutschlandweit einzigartig, sagt Huber.

Filmprojekt 2012 Schueler
Gianluca Blefari filmt mit Tonassistent Nick Burgmann (v.l.) Tolga Yasar, Felicitas Wanke, Ronahi Demir, Sylvana Thomas und Seha Ahmad. Teamer Björn Sorger leistet Hilfestellung. Foto: Schesswendter

Zehn Gruppen aus dem Kreis

Das Projekt initiierte Dozent Dr. Reinhold Nolle, selbst ehemaliger Kameramann und promovierter Medienpädagoge. Die aktuelle Gruppe vervollständigt zehn Gruppen und Klassen, die bereits mitgewirkt haben. Damit ist der Projektzyklus im März abgeschlossen. Mit jeweils einer Gruppe dabei waren unter anderem die Gesamtschule Melsungen,  die Berufsschule Ziegenhain, die Anne-Frank-Schule Fritzlar, das Jugendzentrum Felsberg und das  Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum in Melsungen.

Angst und Scham
Filmprojekt Szene

Die Jugendlichen der türkisch-islamischen Gemeinde Borken drehten Szenen unter anderem in der Diskothek Rom, im Hospital Zum Heiligen Geist und auch auf der Polizeistation Homberg. An der Kamera Projektkoordinatorin Katharina Huber. Foto: HennekDie Aufgabe besteht darin, einen Film zu konzipieren und zu drehen, der mit Angst und Scham zu tun hat, in der Regel der eigenen. Gewalt wird da thematisiert, direkt oder in latenten Formen, wie Mobbing und Stalking
Die Schüler der 7EH haben eine Geschichte um zwei Cliquen konstruiert, die sich hassen. Ein Neuer kommt hinzu und obwohl er der deutschen Gruppe zugeordnet ist, versucht er eine geheime Freundschaft zu einem Mädchen in der ausländischen Gang aufzubauen. Wie und ob sich der vorhersehbare Konflikt in dem rund zehnminütigen Filmwerk löst, können Interessierte Ende Januar bei seiner Uraufführung in der Anne-Frank-Schule herausfinden. Die Teamer Björn Sorger und Tatjana Koplack, ebenfalls aus der Medienwerkstatt Nolles, sind mit dem Verlauf jedenfalls zufrieden. „Es kommen viele und genaue Rückfragen”, freut sich Tatjana Koplack. Auch mit dem außergewöhnlichen Arbeitseinsatz kämen die Schüler klar. Schließlich gehen die Drehtage häufig zehn bis zwölf Stunden lang. Harte, gemeinsame Arbeit gehört zum Konzept.
Auch für die Klassenlehrerin Kirsten Roßkamp ist das Projekt erhellend. Einige der Probleme kennt sie schon, andere kommen erst durch die pädagogische Arbeit mit den Studenten heraus. „Es ist ein anderer Raum, ein anderer Anlass – schon alleine das ist toll,” erklärt sie den besseren Zugang.  Deswegen war sie auch „soweit es möglich war” bei den Projektarbeiten dabei, auch für die Schüler, die gerade Drehpause hatten.
Die 16- bis 20-jährigen Protagonisten aus Borken und Fritzlar, alle mit türkisch-muslimischen Hintergrund, haben eine Geschichte rund um „Väter“ konstruiert. Sie thematisieren verschiedene Charaktere von Vätern und deren Erziehungsmethoden. Die einen lehren ihren Kindern, dass sie nur mit viel Geld weiterkommen. Die anderen sind der Meinung, dass eine gute Bildung das A und O ist. Wie und ob sich der vorhersehbare Konflikt in dem Filmwerk löst, können Interessierte Ende Januar bei der Uraufführung in Borken herausfinden.

Filmfestival im März

Am 8. März startet das Filmfestival des Projektes um 16 Uhr in der Stadthalle Homberg. Dort sind alle Schülerstreifen aus der biographischen Spielfilmarbeit zu sehen. Nächstes Jahr sollen zwischen 16 und 20 Gruppen an dem Projekt teilnehmen. Möglich machen das die Träger: die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, das Jugendbildungswerk Schwalm-Eder und die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien und der Stadtentwicklungsverein Homberg.